Wenn Sie das Zimmer neu streichen, legen Sie fest, welche Wände Sie streichen und welche Farben infrage kommen. Ihr Kind wählt daraus zum Beispiel den Farbton oder ein Motiv. So kann es mitentscheiden, während Sie Aufwand, Kosten und Produktauswahl im Blick behalten.
Damit die Mitbestimmung zählt, setzen Sie die Wahl Ihres Kindes um. Ist eine kräftige Farbe an allen Wänden zu viel, bieten Sie eine Akzentwand, eine halbhohe Farbfläche oder eine Bordüre an.
Legen Sie zuerst den Rahmen fest
Klären Sie vor dem Gespräch, was für Sie machbar ist. Dazu gehören die Zahl der farbigen Wände, der Aufwand und die Farben, die zur Einrichtung und zum Budget passen. So können Sie Ihrem Kind echte Möglichkeiten anbieten, ohne später eine bereits zugesagte Entscheidung zurückzunehmen.
Sie könnten etwa sagen: „Eine Wand darf farbig werden, die anderen bleiben hell. Für diese Wand kommen drei Farbtöne infrage.“ Wenn Sie noch offen sind, ob überhaupt gestrichen wird, sagen Sie das ebenfalls. Fragen Sie nicht nach einer freien Farbwahl, wenn das Kind am Ende nur zwischen zwei vorbestimmten Varianten entscheiden darf.
Zeigen Sie die Farbauswahl
Farben auf einer Karte wirken anders als auf einer ganzen Wand. Sehen Sie sich deshalb Farbkarten gemeinsam im Zimmer an und lassen Sie Ihr Kind seine Favoriten benennen. Eine überschaubare Auswahl erleichtert die Entscheidung: Jüngeren Kindern können Sie etwa zwei Möglichkeiten zeigen, ältere Kinder können mehrere Farbtöne vergleichen und erklären, was ihnen daran gefällt.
Fragen Sie konkret: „Welche dieser Farben möchtest du für die Wand hinter deinem Bett?“ Das ist verständlicher als die offene Frage nach der Lieblingsfarbe, denn sie verbindet die Auswahl mit einer bestimmten Fläche. Wenn Sie eine bestimmte Farbe ausgeschlossen haben, nennen Sie den Grund und zeigen Sie, welche Alternativen noch möglich sind.
Lassen Sie Ihr Kind Fläche oder Motiv wählen
Ihr Kind kann auch wählen, ob es lieber eine einzelne Akzentwand, eine halbhohe Farbfläche oder ein Motiv möchte. Diese Varianten bieten sich an, wenn ein kompletter Anstrich zu kräftig wirkt oder mehr Aufwand bedeutet, als Sie übernehmen möchten.
Wünscht sich Ihr Kind beispielsweise eine sehr leuchtende Farbe, können Sie sie für eine kleinere Fläche oder ein selbst gewähltes Motiv anbieten. Eine Bordüre kann ebenfalls eine passende Alternative sein. Entscheidend ist, dass Sie die Alternative ernst meinen und Ihr Kind zwischen tatsächlich umsetzbaren Möglichkeiten wählen lassen.
Passen Sie die Wahl ans Alter an
Jüngere Kinder brauchen meist konkrete, leicht verständliche Möglichkeiten. Sie können zwei Farbkarten zeigen und fragen, welche besser gefällt. Ältere Kinder können bei der Planung mehr mitentscheiden. Sie können zum Beispiel auswählen, an welcher Wand die Farbe am besten zur Geltung kommt.
Die UN-Kinderrechtskonvention hält fest, dass die Meinung eines Kindes in Angelegenheiten, die es betreffen, entsprechend Alter und Reife berücksichtigt werden soll. Zu Hause müssen Kinder deshalb nicht jede Entscheidung allein treffen. Hören Sie ihre Wünsche an und erklären Sie verständlich, worüber sie mitentscheiden können.
Nehmen Sie die Entscheidung ernst
Wenn Ihr Kind zwischen zwei Farben wählen darf, sollte diese Wahl anschließend gelten. Ein nachträglicher Wechsel zu Ihrem eigenen Favoriten macht die Beteiligung unglaubwürdig. Falls sich eine Entscheidung aus einem konkreten Grund nicht umsetzen lässt, erklären Sie das offen und bieten Sie eine echte Alternative an.
Eine Studie mit Vorschulkindern fand einen Zusammenhang zwischen elterlichen Wahlmöglichkeiten und bestimmten Fähigkeiten, mit denen Kinder ihr Verhalten steuern. Die Studie untersuchte eine Puzzle-Aufgabe und erfasste keine Entscheidungen über Wandfarbe. Deshalb lässt sich aus ihr nicht ableiten, dass die Auswahl einer Zimmerfarbe die Entwicklung fördert. Die Ergebnisse passen aber zu einer einfachen praktischen Regel: Geben Sie eine überschaubare Auswahl und machen Sie klar, welche Entscheidung tatsächlich beim Kind liegt.
Wählen Sie geeignete Wandfarbe
Sie tragen die Verantwortung dafür, dass die Farbe für Innenräume geeignet ist. Achten Sie bei Farben und Putzen auf anerkannte Umwelt- und Emissionssiegel. Beachten Sie auch die Angaben des Herstellers. Die Produktauswahl können Sie übernehmen, während Ihr Kind aus den geeigneten Farbtönen auswählt.
Auch während der Arbeiten lässt sich die Beteiligung passend gestalten. Ihr Kind kann beim Vergleichen der Farbkarten helfen oder das Motiv für die Wand auswählen. Sie übernehmen Vorbereitung und Anstrich. Richten Sie sich dabei nach dem Alter des Kindes und den Sicherheitshinweisen des Produkts.
Bewerten Sie Farbwirkungen vorsichtig
Einzelne Farben werden häufig mit bestimmten Stimmungen verbunden. Daraus folgt jedoch keine verlässliche Regel, dass ein Farbton jedes Kind beruhigt oder unruhig macht. Eine ältere Untersuchung zu Farbe, Stimmung und körperlicher Kraft umfasste nur sechs Vorschulkinder und erlaubt keine allgemeine Empfehlung für Kinderzimmer.
Berücksichtigen Sie deshalb vor allem den Wunsch Ihres Kindes und die konkrete Gestaltung des Raums. Wenn Ihnen eine kräftige Farbe für die ganze Wand zu dominant erscheint, wählen Sie gemeinsam eine kleinere Fläche. So bleibt die Vorliebe sichtbar, ohne dass Sie sich auf pauschale Versprechen über die Wirkung einer Farbe verlassen müssen.