Wände mit Lehmfarbe und Wischtechnik gestalten
Lehmfarbe ist ein mineralischer Anstrich aus Ton, Sand und Wasser. Sie nimmt Feuchtigkeit aus der Raumluft auf, speichert sie und gibt sie später wieder ab. Bei der Wischtechnik tragen Sie die Farbe in mehreren Lagen auf und bearbeiten die oberste Lage, solange sie noch feucht ist, mit Schwamm, Kelle oder Tuch. So entsteht eine sichtbar strukturierte, lebendige Oberfläche statt einer glatten Wand. Die Verarbeitung ist anders als bei Dispersionsfarbe: Lehmfarbe trocknet anders und braucht andere Werkzeuge.
Was Lehmfarbe leistet
Der wichtigste Unterschied zu normalen Wandfarben ist das Raumklima. Lehmbaustoffe nehmen Feuchtigkeit aus der Luft auf, speichern sie und geben sie wieder ab, wenn die Luft trockener wird. Dadurch wirkt eine Lehmwand wie ein Puffer gegen Feuchtigkeitsschwankungen im Raum. Tonminerale können außerdem Gas- und Staubpartikel aus der Raumluft binden. Dispersionsfarben können das nicht in dieser Form.
Lehmfarben kommen in der Regel ohne Lösemittel aus. Der Hersteller Lesando gibt für seine Produkte an, dass sie keine schädlichen Zusätze wie Konservierungsstoffe oder Weichmacher enthalten und während sowie nach der Verarbeitung geruchsneutral sind. Diese Angabe stammt vom Hersteller selbst und gilt nicht pauschal für alle Produkte am Markt. Wer Wert auf diese Eigenschaften legt, sollte die Produktangaben vor dem Kauf vergleichen.
Beim Untergrund gibt es eine Grenze. Lehmputz und Lehmfarbe haften nicht auf jeder Fläche. Auf glatten oder wenig tragfähigen Untergründen braucht es eine Vorbereitung mit einem Putzträger, etwa dem Rapido-Putzträger von Lesando. Er bildet die Grundlage für eine stabile Lehmputzfläche, wenn der Untergrund zu glatt oder ungeeignet ist. Ohne diese Vorbereitung riskieren Sie, dass die Schicht später abplatzt oder reißt.
Die Wischtechnik richtig anwenden
Bei der Wischtechnik kommt es auf die Bearbeitung der noch feuchten obersten Schicht an. Sie tragen zuerst eine dünne Grundierung auf, lassen sie antrocknen und bringen dann die zweite Lage auf. Sobald diese leicht anzieht, also nicht mehr nass glänzt, aber noch feucht genug ist, um sich verformen zu lassen, arbeiten Sie die Struktur ein. Dafür bleibt nur wenig Zeit. Sie sollten deshalb in überschaubaren Flächen arbeiten, damit die Farbe nicht vorzeitig antrocknet.
Das Werkzeug bestimmt das Muster. Ein feuchter Schwamm erzeugt weiche, verwischte Übergänge, eine Glättkelle oder ein Spachtel hinterlassen klare Bahnen und Kanten. Mit einem Tuch oder Lappen lassen sich feine, unregelmäßige Strukturen erzeugen. Die Bewegungsrichtung ist entscheidend: Kreisende Bewegungen ergeben eine weiche, wolkige Optik, gerade Züge in eine Richtung wirken ruhiger und gleichmäßiger. Mischen Sie die Richtungen, entsteht eine lebendige, aber unruhige Fläche. Probieren Sie das Muster deshalb zuerst an einem Reststück oder einer unauffälligen Ecke aus.
Anrühren und Auftragen
Das Anrühren der Lehmfarbe braucht das richtige Gefäß und Werkzeug. Ein handelsüblicher 10-Liter-Eimer eignet sich optimal für 5 Kilogramm Lehmfarbenpulver. Wichtig ist die Form: Tiefe Behälter mit kleiner Oberfläche sind ideal, große flache Behälter wie Mörtelwannen sind ungeeignet, weil die Farbe dort zu schnell antrocknet und sich nicht gleichmäßig mischen lässt.
Zum Mischen nehmen Sie eine Bohrmaschine oder einen Mörtelmischer mit einem Rührstab von mindestens 8 Zentimetern Durchmesser. Kleinere Werkzeuge wie Lackmischer sind für größere Mengen ungeeignet, weil sie die zähe Masse nicht ausreichend durcharbeiten. Für kleine Testmengen, etwa in einem 1-Liter-Messbecher, können Sie einen Küchenmixer verwenden. Das lohnt sich, wenn Sie die Farbe an einer unauffälligen Stelle oder auf einem Probestück ausprobieren möchten, bevor Sie die ganze Wand anrühren.
Die Trocknungszeiten sind kurz. Dünne Anstrichlagen von Lehmfarbe trocknen innerhalb weniger Stunden, Spachtelputz braucht über Nacht. Planen Sie die einzelnen Lagen so, dass Sie zwischen den Arbeitsschritten genug Zeit lassen. Die kurze Trocknungszeit bedeutet auch, dass Sie die Wischstruktur nicht unterbrechen sollten: Sobald eine Fläche angetrocknet ist, lässt sie sich nicht mehr sauber nachbearbeiten, ohne dass Schlieren entstehen.
Mediterranes Wohnen mit Lehmfarbe
Zur Lehmfarbe passt der mediterrane Einrichtungsstil besonders gut, weil beide mit natürlichen Materialien und warmen Tönen arbeiten. Typisch sind Erdtöne wie Terrakotta, Ocker, Sand und gebrochenes Weiß. Diese Farben lassen sich mit Holz, Leinen, Terrakotta-Fliesen und Tongefäßen kombinieren. Die raue, leicht unregelmäßige Oberfläche der Wischtechnik unterstützt den Eindruck einer natürlich gewachsenen Wand, wie man sie in südlichen Ländern findet.
Für ein mediterranes Wohnzimmer eignen sich warme Ocker- oder Terrakottatöne als Wandfarbe, kombiniert mit Möbeln aus hellem Holz und natürlichen Textilien. Die Wischstruktur bringt dabei Bewegung in die Fläche, ohne dass zusätzliche Muster oder Tapeten nötig sind. Wer es zurückhaltender mag, wählt ein gebrochenes Weiß mit feiner Struktur und setzt Farbakzente über Kissen, Keramik oder Vorhänge. Die Lehmfarbe übernimmt dann die Rolle des ruhigen Hintergrunds, der die einzelnen Stücke zur Geltung bringt.
Pflege und Haltbarkeit
Eine gestrichene Lehmwand hält bei richtiger Pflege lange, stellt aber andere Anforderungen als eine Dispersionsfläche. Lehm ist empfindlich gegen stehende Nässe und mechanische Belastung. In Feuchträumen wie Duschen oder direkt an Spritzwasserbereichen ist Lehmfarbe deshalb nur bedingt geeignet. Für die Reinigung reicht meist trockenes Abstauben mit einem weichen Besen oder Staubsaugeraufsatz. Bei Flecken sollten Sie vorsichtig vorgehen: Feuchtes Abwischen mit klarem Wasser und einem weichen Tuch ist möglich, starkes Scheuern oder aggressive Reinigungsmittel schädigen die Oberfläche.
Beschädigte Stellen können Sie ausbessern, indem Sie die betroffene Fläche leicht anschleifen und eine neue dünne Schicht Lehmfarbe auftragen. Die Struktur der Wischtechnik exakt zu treffen, gelingt dabei nicht immer, deshalb lohnt es sich, Reste der Farbe und die passenden Werkzeuge aufzubewahren. Planen Sie bei der Ausbesserung ein, dass die neue Stelle etwas heller oder dunkler wirken kann, bis sie vollständig getrocknet ist.