Tapeten auswählen und fehlerfrei anbringen

Tapezieren gelingt auch ohne Vorerfahrung, wenn die Wand vorbereitet ist, die Tapete zum Raum und Untergrund passt und die Bahnen in der richtigen Abfolge angebracht werden. Papiertapete, Vliestapete und Glasfasertapete unterscheiden sich in Verarbeitung, Haltbarkeit und Pflege so deutlich, dass die Wahl über Erfolg oder Frust entscheidet. Treffen Sie diese Entscheidung deshalb vor dem Einkauf. Der Arbeitsplatz muss eingerichtet sein, bevor der Kleister angerührt wird.

Beim Anbringen zählt die Technik, vom senkrechten Ansetzen der ersten Bahn bis zum letzten Strich mit dem Nahtroller.

Die passende Tapete für jeden Raum

Vliestapete ist für die meisten Räume die einfachste Wahl. Sie besteht aus einem Vlies aus Zellulose- und Textilfasern, reißt kaum und wird direkt an der Wand eingekleistert. Das spart Zeit, weil keine Bahn eingeweicht werden muss, und verzeiht Anfängerfehler. In Wohnzimmer, Schlafzimmer und Flur ist sie die robuste Standardlösung, die sich bei einem Umzug meist rückstandsfrei abziehen lässt.

Papiertapete ist günstig und in vielen Mustern erhältlich, verlangt aber mehr Sorgfalt. Die Bahnen werden eingekleistert, müssen eine Weile einweichen und dehnen sich dabei. Wer zu lange wartet oder zu wenig Kleister verwendet, bekommt Blasen, und die Stöße, also die Nähte zwischen den Bahnen, öffnen sich. Für Räume mit wenig Beanspruchung, etwa ein Gästezimmer, ist sie trotzdem eine brauchbare Wahl.

Glasfasertapete hält am längsten und wird meist überstrichen. Sie eignet sich für Flure, Treppenhäuser und Mietwohnungen, weil sie Stöße und kleine Risse übersteht und sich später leicht überstreichen lässt. Der Nachteil: Sie ist schwer zu entfernen und braucht einen speziellen Kleister. In Feuchträumen wie Bad und Küche greifen Sie zu Vliestapeten mit feuchtraumgeeigneter Beschichtung oder zu speziellen Feuchtraumtapeten, die Schimmelbildung auf der Oberfläche erschweren.

Werkzeuge und Arbeitsplatz

Ein stabiler Tapeziertisch ist die Grundlage für gerade Schnitte und sauberes Einkleistern. Er sollte breit genug sein, um eine ganze Bahn aufzunehmen, und in der Höhe verstellbar, damit Sie ohne Bücken arbeiten. Gute Tische haben eine Ablage für den Kleister und eine Kante, an der Sie die Bahn sauber schneiden können. Wer nur eine Wand tapeziert, kommt mit einem einfachen Modell aus; wer mehrere Räume tapezieren will, sollte auf ein Set mit Tisch, Kleistereimer und Rührstab achten.

Neben dem Tisch brauchen Sie eine Tapezierbürste zum Andrücken der Bahnen und einen Nahtroller für die Stöße. Zum Messen und Anzeichnen dienen ein Zollstock sowie ein Lot, also eine Schnur mit einem Gewicht, oder eine Wasserwaage. Dazu kommen ein scharfes Cuttermesser, eine Leiter und der passende Kleister. Der Arbeitsplatz sollte so eingerichtet sein, dass Sie eine ganze Bahn auslegen können, ohne sie zu knicken. Decken Sie den Boden ab und räumen Sie Möbel aus dem Weg, bevor Sie beginnen.

Wand vorbereiten

Alte Tapeten müssen vollständig entfernt werden, am besten mit einem Tapetenlöser und einem Spachtel. Danach füllen Sie Löcher und Risse mit Spachtelmasse und schleifen die Stellen glatt. Eine unebene Wand zeigt sich später in jeder Bahn, deshalb lohnt sich die Mühe.

Anschließend grundieren Sie die Wand mit Tiefengrund. Das bindet Staub, gleicht aus, wie stark die Wand saugt, und sorgt dafür, dass der Kleister gleichmäßig haftet. Besonders bei stark saugenden Untergründen wie Putz oder Gipskarton ist die Grundierung Pflicht, sonst trocknet der Kleister zu schnell und die Bahnen halten nicht. Lassen Sie die Grundierung vollständig trocknen, bevor Sie mit dem Tapezieren beginnen.

Die Technik beim Anbringen

Messen Sie zuerst die Wandhöhe und schneiden Sie die Bahnen mit etwa fünf bis zehn Zentimetern Zugabe oben und unten zu. Bei gemusterten Tapeten prüfen Sie auf dem Rollenetikett, ob ein Versatz angegeben ist. Der Versatz gibt an, um wie viel die nächste Bahn verschoben werden muss, damit das Muster fortläuft. Schneiden Sie dann mehrere Bahnen auf einmal zu und nummerieren Sie sie, das spart Zeit und vermeidet Verwechslungen.

Bringen Sie die erste Bahn mit einem Lot oder einer Wasserwaage exakt senkrecht an, sonst wird die ganze Wand schief. Bei Vliestapete streichen Sie den Kleister direkt auf die Wand und legen die trockene Bahn ein. Bei Papiertapete kleistern Sie die Bahn auf dem Tisch ein, falten sie zusammen und lassen sie einweichen, bis sie sich geschmeidig anfühlt.

Drücken Sie die Bahn mit der Tapezierbürste von der Mitte zu den Rändern hin an. So verdrängen Sie Luftblasen nach außen, bevor sie sich festsetzen. An den Stößen fahren Sie anschließend mit dem Nahtroller entlang, mit leichtem Druck und in einer gleichmäßigen Bewegung. Der letzte Strich mit dem Nahtroller entscheidet darüber, ob die Nähte flach liegen oder sich später öffnen. Schneiden Sie den Überstand oben und unten mit dem Cuttermesser ab, am besten entlang einer Kante oder mit einem breiten Spachtel als Führung.

Häufige Fehler vermeiden

Die meisten Fehler entstehen vor der ersten Bahn. Eine unvorbereitete Wand, falscher Kleister oder eine fehlende Grundierung zeigen sich erst nach dem Trocknen, wenn sich Bahnen lösen oder Blasen bilden. Prüfen Sie deshalb vor dem Anrühren des Kleisters, ob die Wand trocken, sauber und grundiert ist.

Blasen entstehen, wenn Sie die Bahn nicht von der Mitte zu den Rändern ausstreichen oder wenn der Kleister zu dünn ist. Offene Stöße kommen von zu wenig Kleister an den Kanten oder davon, dass Sie die Nähte zu früh oder zu spät mit dem Nahtroller andrücken. Eine schiefe erste Bahn lässt sich kaum korrigieren, deshalb ist das Lot hier die wichtigste Kontrolle. Wenn Sie unsicher sind, üben Sie an einer kleinen Fläche oder einer unauffälligen Wand, bevor Sie den ganzen Raum angehen.