Steinoptik an der Wand ohne schweren Einbau
Wer zur Miete wohnt, muss bei der Wandgestaltung Kompromisse machen. Echte Steinverkleidungen aus Naturstein oder großen Betonplatten belasten das Mauerwerk. Sie erfordern Bohrungen und lassen sich beim Auszug kaum rückstandsfrei entfernen.
Nachbildungen liefern eine glaubwürdige Steinoptik, ohne dass Sie bohren, mauern oder schwere Platten anbringen müssen. Selbstklebende Folien, abziehbare Vliestapeten und Wandsticker lassen sich mit wenig Aufwand montieren und beim Auszug wieder entfernen, wenn Sie die Herstellerhinweise beachten.
Drei Materialien für die Steinoptik
Für die Steinoptik ohne schweren Einbau stehen drei Materialgruppen zur Wahl: selbstklebende Digitaldruckfolien, abziehbare Vliestapeten und einzelne Wandsticker. Folien sind am vielseitigsten. Sie lassen sich mit einem Cuttermesser exakt auf Wandgrößen zuschneiden, blasenfrei auftragen und hinterlassen beim Entfernen keine Rückstände. Vliestapeten, die als abziehbar gekennzeichnet sind, decken große Flächen ab und lassen sich in Bahnen verlegen. In Bad und Küche verzeihen sie Feuchtigkeit weniger gut. Wandsticker sind am einfachsten anzubringen. Sie bleiben aber in der Größe begrenzt und eignen sich eher für Akzente wie eine einzelne Sichtbetonwand hinter dem Sofa als für komplette Räume.
Optik: Wo die Nachbildungen überzeugen
Die Materialien unterscheiden sich vor allem in der Oberflächentextur. Eine Digitaldruckfolie bildet das Steinmuster flach ab. Die Haptik bleibt glatt. Das fällt bei Beton- und Schieferoptiken kaum auf, weil diese Oberflächen auch im Original wenig Relief haben. Bei grobem Naturstein wie Bruchstein oder rustikalem Travertin merkt man den Unterschied zur echten Verkleidung schnell, weil die Nachbildung keine Unebenheiten und Fugenvertiefungen besitzt.
Abziehbare Vliestapeten mit Steinprägung kommen der Realität näher, weil ihre Oberfläche ein leichtes Relief trägt. Dafür ist die Auswahl an Mustern kleiner als bei Folien. Bei starkem Lichteinfall aus seitlichen Fenstern verliert sich die Prägung. Wer den Steinlook vor allem als ruhigen, dunklen Hintergrund nutzen möchte, wird mit einer guten Folie zufrieden sein. Wenn Sie eine spürbare Struktur möchten, sollten Sie nach einer geprägten Vliestapete suchen.
Montage: Was auf welche Wand passt
Die Vorbereitung entscheidet, ob die Optik später überzeugt und der Rückbau klappt. Alle drei Materialien brauchen eine glatte, trockene und fettfreie Wand. Raufaser und stark saugende Putze sollten Sie vorher glätten oder grundieren. Sonst haftet die Folie nicht gleichmäßig und lässt sich später schwerer lösen.
Selbstklebende Folien bringen Sie am besten mit einem Rakel auf. Das ist eine glatte Kunststoffkarte, mit der Sie die Luft von der Mitte nach außen herausstreichen. Arbeiten Sie bei Zimmertemperatur. Bei Kälte wird die Folie spröde, bei großer Wärme klebt sie zu stark. Vliestapeten kleben Sie mit speziellem Kleister ein. Setzen Sie die Bahnen exakt Stoß an Stoß. Wandsticker sind die schnellste Lösung. Sie ziehen das Trägerpapier ab und drücken das Motiv an. Bei großen Stickern hilft eine zweite Person, damit das Motiv nicht knickt.
Rückbau: So bleibt die Wand sauber
Beim Rückbau unterscheiden sich die Materialien. Folien und Wandsticker lassen sich in der Regel in einem Stück abziehen. Beginnen Sie an einer Ecke und ziehen Sie langsam in einem flachen Winkel. Klebereste entfernen Sie mit warmem Wasser und einem weichen Tuch. Aggressive Lösungsmittel greifen den Wandputz an. Abziehbare Vliestapeten lösen Sie trocken von der Wand. Fassen Sie eine Bahn an der Oberkante und ziehen Sie sie nach unten. In feuchten Räumen kann sich der Kleber fester mit dem Untergrund verbinden. Dann bleibt mehr Rückstand hängen.
Wichtig ist die richtige Anwendung von Anfang an. Wenn Sie die Folie schief aufkleben, mehrfach abziehen und neu positionieren oder auf ungeeignetem Untergrund arbeiten, riskieren Sie Rückstände und Beschädigungen. Die Hersteller geben für jedes Produkt an, auf welchen Wänden es haftet und wie es sich entfernen lässt. Diese Hinweise gelten auch für die spätere Ablösung.
Wann Sie den Vermieter fragen sollten
Solange Sie nur kleben und nicht bohren, ist das eine normale Nutzung einer Mietwohnung. Sie müssen den Vermieter nicht um Erlaubnis bitten, eine Folie oder abziehbare Tapete anzubringen, solange Sie die Wand beim Auszug wieder in den ursprünglichen Zustand versetzen.
Anders ist es, wenn Sie zusätzlich Regale oder schwere Deko an der Steinoptik befestigen wollen. Einzelne Bohrungen gelten in der Rechtsprechung als normale Nutzung und sind erlaubt. Eine großflächige Montage mit vielen Löchern, etwa zwanzig Bohrungen für eine komplette Wandverkleidung, kann als bauliche Veränderung gewertet werden. Dann brauchen Sie die Zustimmung des Vermieters. Auch Montagekleber ist heikel. Er hinterlässt auf vielen Wänden Spuren, die sich nicht mehr entfernen lassen. Wenn Sie schwere Gegenstände anbringen möchten, klären Sie die Bohrungen vorher mit dem Vermieter und dokumentieren Sie den Zustand der Wand.